Gu Xiaoping

Maler, Fotograf, Performance-Künstler
Geboren 1969 in Yangzhou (Jiangsu Province, China)
Lebt und arbeitet in Peking

Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn arbeitete Gu Xiaoping viel mit Video, Installation
und Performance-Kunst.
In den späten 1990er Jahren ließ er beispielsweise im Rahmen einer
Live-Performance mit dem Titel ‚Left or Right‘ vier Aktmodelle unter der volkstümlichen
Propaganda-Gruppenskulptur am Brückenkopf der Nanjing-Yangtse- Brücke auftreten. Diese
imitierten die durch die Skulptur repräsentierten Personen aus der Zeit der chinesischen
Kulturrevolution mit ihren nackten Körpern. So wollte der Künstler durch die parodiehaften
Nachahmung die Aufmerksamkeit der Betrachter auf die Art der Darstellung der Skulpturen
lenken. Jedoch sagt er heute: „
Wenn man in China mit Kunstwerken intervenieren will,
gerät man immer in eine Situation zwischen Hoffnung und Enttäuschung oder sogar Verzweiflung.“
Die Kritik an der Wirklichkeit wie auch das ständige Überprüfen von Wahrnehmung und
Denken sind für den Künstler wichtige Aufgaben seines Kunstschaffens geblieben, auch
wenn Gu Xiaoping seinen Wunsch nach Begegnung heute durch eine ruhige, kontemplative
Malerei ausdrückt. „Da Kunst ein Akt der Herstellung von Beziehungen zur Welt ist,
materialisiere ich diese Beziehung zu Zeit und Raum durch die Form der Linie. Die
ästhetische Rezeption entspricht der Haltung des Betrachters, und sie spiegelt die
Perspektive des Betrachters und Kunstkonsumenten wider.“
Seit 2013 arbeitet der Künstler mit dem traditionellen chinesischen Tuschkasten, der in der
Erinnerung der heutigen chinesischen Generation tief verwurzelt ist. Dieser Farbkasten war
ein unentbehrliches Werkzeug für den Tischler, um Möbel herzustellen, indem er mit dem in
Tinte getränkten Faden die Linien für die Holzschnitte markierte.
In einem ruhigen, konzentrierten und von Wiederholung geprägten Malprozess tränkt Gu Xiaoping Faden um
Faden in seiner Kartusche und spannt den Faden immer wieder neu über die Leinwand –
präzise und sauber. Wo und wie der Künstler den Faden in Schwingung versetzt, bestimmt
die Aussage des Gemäldes. Dichtere Strukturen wechseln sich mit leichteren ab, helle
Farbflächen stehen neben dunkleren, und an manchen Stellen konzentriert sich der
Farbauftrag zu einer Senkrechten.
Für Gu Xiaoping ist Kunst Ausdruck der Sinnhaftigkeit der Welt, und eine ewige Verhandlung
zwischen verschiedenen Ideen. Er sieht es als Aufgabe des Betrachters an, die Relationen zu
klären, der vor dem Hintergrund seines spezifischen sozialen und kulturellen Hintergrunds
den Zugang zum und die Darstellung des Werkes beurteilt. „Mit meinem Werk übe ich den
geringsten visuellen Einfluss aus, bewege mich quasi auf einem Null-Level bezüglich Form
und Bedeutung. Jede Linie ist die visuelle Verkörperung des Nichts, oder die Darstellung der
Subjektivität einfachster Dinge. Ich schätze Kunstwerke in poetisch-visueller Form. In diesem
Sinne streben meine Werke in Poesie wie auch Musik nach Unabhängigkeit, und bringen
Subjektivität ohne spezifischen Inhalt in visueller Form zum Ausdruck.“
Wichtige und inspirierende Künstler sind für Gu Xiaoping Joseph Beuys, Hans Hack Daniel,
Yves Klein , Gerhard Richter, Mark Rothko und Christian Boltanski.
Neben einer Vielzahl von Ausstellungen in China werden die Arbeiten Gu Xiaopings
zunehmend auch in Europa und den USA gezeigt. Schon 2005 beteiligte sich der Künstler an
der Ausstellung „Mahjong – Chinesische Gegenwartskunst“ im Kunstmuseum Bern. Weitere
bemerkenswerte Ausstellungen fanden im Berkeley Art Museum und Pacific Film Archive
(BAM/PFA) in Berkeley (CA) und in der A2Z Art Gallery Paris in Paris statt. Gu Xiaoping ist mit
seinen Arbeiten u.a. im Chengdu Modern Art Museum, im White Box Art Center Peking, im
Hong Kong M+ Museum, im Macao Art Museum und im Guangdong Art Museum vertreten
wie auch im MAK Art Museum in Wien, der Uli Sigg Collection und bei Chambers Fine Art in
New York City.

Werdegang:

1969

geboren in Yangzhou, Provinz Jiangsu, China

1988-1991

Studium der Ölmalerei an der East China Normal University in Shanghai

1992-1993

Studium an der Abteilung für Ölmalerei der Akademie der Schönen Künste in Nanjing

Wichtige Solo-Ausstellungen:

2019
„Viewing Objects and Images“ (2016-2019) @ Beijing White Box Art Center (China)

2018
„Sharing “ Kunstausstellung @ Beijing Hongding Gallery (China)

2017
„Walking Ink Lines“ @ Paris A2z Gallery 8 (Frankreich)

2016
„Walking Ink Lines“ (2013-2016) @ White Box Art Center Peking (China)

2014
„Variation“ Gu Xiaoping Kunstausstellung @ Beijing Wanhe Art Museum

2014
„Fantasy City“ Gu Xiaoping Fotografie-Ausstellung @ Beijing Wanhe Art Museum