„Ich versuche, Entstehungsprozesse des unvorstellbar Kleinen und ungreifbar Großen sichtbar zu machen.“
Judith Milberg, 2020

Wie sieht Ursprung aus? Ist Zellteilung die Urform der Kommunikation? Seit über 17 Jahren stellt sich die Münchner Künstlerin Judith Milberg mit ihren Gemälden, Arbeiten auf Papier und seit kurzem auch mit Skulpturen solche Fragen nach dem Mysterium allen Seins, dem der Menschen wie der Natur. Wie mit dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren Materie, Raum und Zeit entstanden, so markiert das Kambrium die erste Ära der Erdgeschichte, in der sich vor rund 540 Millionen Jahren Fauna und Flora entfalteten und damit die Anfänge des Lebens wie wir sie heute kennen.

In diesem Materie-Raum-Zeit-Kontinuum universeller Energie verortet sich die Künstlerin mit jeder Arbeit neu. Sie spricht von einer inneren Explosion, einer inneren Notwendigkeit, die sie ihre unverwechselbare Bildsprache finden lässt. Am Anfang stehen Experimente mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken. Milberg setzt zum Beispiel eine Tinte aus Kupfer, versetzt mit einem bestimmten Essig, selbst an und verschmilzt sie mit Interferenz- und Metallpigmenten. Pastellkreiden, Kohle und Pigmente reibt sie mit großem Kraftaufwand in Papier, Holz und Naturleinwand ein; das überraschende Ergebnis sind hauchfeine, pudrig-delikate Farbnuancen.

Farben in transparenten Schattierungen, amorphe, ornamentale und sphärische Formen fluten die Bilder all over, ohne Anfang und Ende, in immer neuen Metamorphosen, Schichtungen und Verschmelzungen. „It is wrong to define an upper or a lower”, lautet der Titel eines Gemäldes – elementar für ihre Erkenntnis, dass es in der Kunst keine Hierarchien, sondern nur Vernetzungen, Dialoge und Transformationen gibt.

Seit kurzem formt Milberg Skulpturen aus Ton. Der Schritt in die Dreidimensionalität war überfällig,

betrachtet man die kubisch-tektonischen, kugeligen Elemente ihrer Kompositionen in ihrer dynamisch-sensualistischen Körperlichkeit.

Die Oberfläche der Plastiken bearbeitet sie mit dem Material Graphit, reinem Kohlenstoff. „Kohlenstoff in seinen Verbindungen ist die Grundlage allen Lebens“, erklärt sie. „In seiner Reinform kennen wir ihn als Diamanten. Diamant ist das härteste natürliche Material. Wenn ich das Element Graphit in den weichen Ton einarbeite, bin ich Teil eines ursprünglichen Schaffensprozesses”.
Dr. Eva Karcher

In der Galerie Laing sind rund 30 Gemälde und Arbeiten auf Papier sowie etwa 10 Skulpturen der Künstlerin aus den Jahren 2018 bis 2020 zu sehen. Die Ausstellung wird von der Münchner Kunstexpertin und Autorin Dr. Eva Karcher kuratiert. Begleitend erscheint der Katalog „Judith Milberg. Kambrium“.

Biographie Judith Milberg: Geboren in München, studierte Judith Milberg Kunstgeschichte, Ägyptologie und Kommunikationswissenschaften. Noch während des Studiums gründete sie eine Firma für Kunst-Management, kuratierte Ausstellungen, gab Bücher heraus und archivierte private Kunstsammlungen. Darüber hinaus konzipierte und realisierte sie Kunst- und Kulturprojekte für Wirtschaft, Museen und Kultureinrichtungen. Seit 17 Jahren arbeitet Judith Milberg ausschließlich als Künstlerin. Ihre Ausstellungstournee „Judith Milberg. Aus der Mitte“ 2017 in der HypoVereinsbank München, Kiel und Berlin war ein großer Erfolg. Begleitend erschien ein Katalog im Kerber Verlag. (www.judithmilberg.com).

Judith Milberg | Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen

31. August bis 9. November 2019