Dieter Sieger

DIETER SIEGER (* 3. Mai 1938 in Münster) ist Architekt, Schiffsbauer, Produktdesigner und Künstler. In den 1980er und 1990er Jahren schrieb er u.a. mit seinen Entwürfen für den Einhandmischer „Domani“ (1985) und die Kreuzgriffarmatur „Tara“ (1992) Designgeschichte.

Siegers Passion gilt darüber hinaus der Kunst – seit 50 Jahren sammelt er Gemälde und Skulpturen, noch länger betätigt er sich als Zeichner und Maler. Schon als Schüler besuchte Sieger einen abendlichen Zeichenkurs für Erwachsene an der Werkkunstschule Münster, als Student verdiente er sein erstes Geld mit der Anfertigung perspektivischer Zeichnungen für einen Gartenbauarchitekten.

In Italien fertigte Sieger jeweils eine Reihe von Landschafts- und Städteskizzen an, die er anschließend über eine Galerie verkaufte und so seine Reisen finanzierte.

Auch die neuesten Farbfeldmalereien Siegers lassen in ihrer intensiven Komposition den Geist Italiens und der italienischen Designer erkennen – persönliche Begegnungen mit Alessandro Mendini, Fabrizio Plessi, Mimmo Paladino, Miguel Berrocal und Ettore Sottsass prägten nicht nur Siegers berufliches Schaffen. Der Künstler, der selber lange in Venedig lebte, setzt sein Gespür für Farbe, Form und Komposition heute in teils großformatigen Arbeiten um, die dem Licht und der Lebensfreude Italiens entsprechen und sich der Geradlinigkeit seiner geometrisch-architektonischen Designentwürfe und ihren funktionalen Erfordernissen mit Leichtigkeit widersetzen.

Insbesondere aus den frühen Landschafts- und Architekturskizzen scheint sich die in Siegers Gemälden erkennbare Formensprache entwickelt zu haben, mit der er sich in die Tradition der abstrakten Malerei etwa von Ljubow Sergejewna Popowa, Piet Mondriaan und Paul Klee stellt. Vor allem auch Serge Poliakoff, der durch Kandinsky, Delaunay und Otto Freundlich zur Abstraktion fand, kann als Mentor Siegers für dessen geometrisch inspirierte Arbeiten gelten. Anklänge an Ernst Wilhelm Nay finden sich in den Gemälden Siegers, die sich völlig von der linear begrenzten Form lösen und als Zusammenstellung von Farbflecken die Ungenauigkeit feiern. Die Linie hingegen, wichtigstes Element des Zeichners und Konstrukteurs, verschwindet zunehmend aus Siegers malerischen Arbeiten.

Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer
Kunsthistorikerin/Kuratorin

Dieter Sieger – Farbfelder

10. November bis 21. Dezember 2018